Kleidung hat irgendwann Falten und dann bügelt man die einfach weg. Aber warum entstehen überhaupt Falten und was passiert auf dem Bügelbrett mit ihnen?

Bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es Stoffe aus Kunstfasern, die damit beworben werden, dass sie nur kurz oder gar nicht gebügelt werden müssen. Solche Stoffe sind also (fast) immer faltenfrei und kommen in der Regel auch ohne ein Bügeleisen aus. Aus verschiedenen Gründen haben sich solche Kunstfasern aber nicht in der Breite durchsetzen können und Textilien die zu Falten neigen, sind noch immer weit verbreitet. Baumwolle, Seide, Leinen oder auch Polyester bieten eben gewisse Vorteile, die das nötige Bügeln mehr als ausgleichen. Aber was passiert eigentlich genau in Stoffen, wenn diese Falten bilden und wie schafft es ein Bügeleisen, diese Falten wieder zu glätten? Wir werfen einen genaueren Blick auf die Fasern und erklären, was in Stoffen eigentlich für Falten und im Gegenzug für glatte Oberflächen sorgt.

Diese 4 Faktoren lassen Falten entstehen und auch wieder verschwinden

Betrachtet man einen Stoff unter dem Vergrößerungsglas oder einem Mikroskop, erkennt man, dass dieser (es gibt wenige Ausnahmen) aus einzelnen Fäden gewebt ist. Die Fäden wiederum sind aus Fasern zusammengesetzt. Wenn man nun die Falten oder auch die Abwesenheit von Falten in einem Stoff betrachtet, kommt man nicht um einen Blick auf diese elementaren Bestandteile, die Fasern, herum. Die meisten Fasern sind bei Raumtemperatur formstabil, können in ihrer Form also nicht durch äußere Kräfte dauerhaft verändert werden. Erst durch den Einfluss von mehreren Faktoren gleichzeitig können sie geglättet oder auch verkrümmt werden. Diese Faktoren sind neben der Kraft, Hitze, Feuchtigkeit und Zeit. Kommen zwei oder mehr dieser Faktoren zusammen, können in einem Stoff Falten entstehen oder eben auch entfernt werden.

Ohne diese äußeren Einflüsse verhalten sich die meisten Fasern wie Gummi. Sie sind bei einer Krafteinwirkung also elastisch, kehren nachdem der Druck abnimmt aber auch schnell wieder zur ihrer ursprünglichen Form zurück. Nimmt neben der Kraft aber auch die Temperatur zu, verhält sich eine Faser eher wie Knetmasse, sie kann in ihrer Form also dauerhaft verändert werden. Je länger eine Faser unter Druck steht, desto eher wird sie dabei natürlich auch die Form permanent ändern. Das entspricht dem Faktor Zeit. Der letzte oben genannten Faktor ist die Feuchtigkeit. Manche Fasern sind im trockenen Zustand erst bei sehr hohen Temperaturen verformbar, nämlich bei Temperaturen bei denen die Stoffe selbst schon Schaden nehmen würden. Die benötigte Temperatur kann durch einer Erhöhung der Feuchtigkeit aber deutlich gesenkt werden. Wird ein Stoff befeuchtet, setzen sich Wassermoleküle zwischen die Fasermoleküle und reduzieren so die Elastizität.

Ein Dampfbügeleisen bringt einen zusätzlichen Faktor in die Gleichung

Führt man sich die vier Faktoren Druck, Zeit, Feuchtigkeit und Temperatur vor Augen, wird schnell klar, warum und in welchen Situationen Stoffe zum Knittern neigen. Verbleibt etwa Kleidung in der Waschmaschine, bietet sich eine optimale Umgebung zur Faltenbildung. Auch wenn man ein Hemd trägt und es im Sitzen oder Liegen Druck, Wärme und eventuell auch Schweiß ausgesetzt wird, ist das wie eine Garantie für Falten. Kommt dann irgendwann das Bügeleisen zum Einsatz, werden ebenfalls genau dieselben Faktoren genutzt, nun aber eben um genau das Gegenteil zu erreichen. Unter Druck werden hier bei hohen Temperaturen und mit Hilfe von Feuchtigkeit (Dampfbügeleisen) die Fasern wieder geglättet. Bügelt man länger und mehrmals über einzelne Stellen, erhöht man lediglich den Faktor Zeit. Man nutzt auf dem Bügelbrett also genau die gleichen Mittel, die vorher erst zur ärgerlichen Faltenbildung im Stoff geführt haben.

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